Zugangsbeitrag für Venedig: Stadt prüft Erhöhung auf bis zu 30 Euro ab 2027

von mike Tourismus News

Kurz erklärt: Der venezianische Stadtrat für Haushalt, Steuern und Beteiligungen, Michele Zuin, hat in einem am 21. September 2026 veröffentlichten Interview mit dem Gazzettino angekündigt, dass der städtische Zugangsbeitrag (Contributo di Accesso) nach dreijähriger Testphase ab 2027 in eine dauerhafte, strukturelle Form überführt werden soll – mit höheren Tarifen und mehr Zahltagen. Im Gespräch ist ein Betrag von bis zu 30 Euro, zeitweise war sogar von 50 Euro die Rede. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen: Sie muss gemeinsam mit der italienischen Regierung und dem Parlament getroffen werden. Für die laufende Saison 2026 ändert sich vorerst nichts.

Warum die bisherigen 5 bis 10 Euro nicht mehr ausreichen sollen

Seit 2024 gilt in Venedig an ausgewählten Tagen ein Zugangsbeitrag für nicht übernachtende Tagesgäste: 5 Euro bei rechtzeitiger Anmeldung, 10 Euro bei kurzfristiger Buchung. Genau diese Beträge hält die Stadtverwaltung inzwischen für wirkungslos. „Die aktuellen 5 bis 10 Euro sind mittlerweile für jeden erschwinglich – das Risiko ist, dass sie nicht mehr die abschreckende Wirkung haben, die diese Maßnahme eigentlich haben sollte“, zitiert der Gazzettino Zuin. Erklärtes Ziel sei nicht, zusätzliche Einnahmen zu erzielen, sondern den Besucherandrang an den kritischsten Tagen spürbar zu verringern – insbesondere den sogenannten „Mordi e fuggi“-Tourismus, also kurze Stippvisiten ohne Übernachtung.

Nicht die erste Erhöhungs-Idee: Der Vorstoß von Bürgermeister Venturini im Juni 2026

Die aktuelle Ankündigung von Zuin steht nicht am Anfang der Debatte. Bereits im Juni 2026 hatte der neue Bürgermeister Simone Venturini eine eigene Variante vorgeschlagen: einen variablen Beitrag zwischen 30 und 50 Euro, dessen genaue Höhe sich an der jeweiligen Buchungsnachfrage an einem bestimmten Tag orientieren sollte. Residenten, Berufspendler und Gäste mit Übernachtung in der Lagune wären auch nach diesem Modell weiterhin befreit gewesen. Venturini reiste damals eigens nach Rom, um den Vorschlag den zuständigen Ministerien vorzulegen – denn die Tarifobergrenzen sind gesetzlich auf nationaler Ebene geregelt und können von der Gemeinde nicht im Alleingang verändert werden. Die jetzige Ankündigung von Zuin lässt sich als Fortsetzung dieser im Sommer begonnenen Initiative lesen, nun mit einer konkreteren Zielmarke von 30 Euro.

Befürworter und Kritiker: eine gespaltene Debatte

Die Reaktionen auf die geplante Erhöhung fallen seit Juni deutlich unterschiedlich aus. Der Branchenverband der venezianischen Hotellerie signalisierte laut mehreren italienischen Medien Zustimmung: Ein höherer Beitrag könne dazu beitragen, die Übernachtungsbetriebe der Stadt und des Festlands zu schützen, sofern die Umsetzung mit Augenmaß erfolge. Auf der anderen Seite äußerte der Kommunalpolitiker Nicola Pellicani (PD) Zweifel an der Wirksamkeit des Instruments insgesamt und verwies darauf, dass der bisherige Zugangsbeitrag die Besucherströme bislang nicht spürbar gelenkt habe. Grundsätzlicher fiel die Kritik des früheren Bürgermeisters Massimo Cacciari aus, der die Maßnahme laut Presseberichten als „Barbarei“ bezeichnete, die Venedig zu einer Art Museum degradiere. Der Verfassungsrechtler Ludovico Mazzarolli gab gegenüber dem Corriere della Sera zudem zu bedenken, dass ein Eintrittspreis in dieser Höhe rechtlich als Einschränkung der grundgesetzlich geschützten Bewegungsfreiheit gewertet werden könnte. Die Debatte ist damit keineswegs nur eine Frage der Tarifhöhe, sondern berührt grundsätzliche Fragen zur Steuerung einer Stadt, die zugleich Wohnort und Weltkulturerbe ist.

30 oder doch 50 Euro? Die Stadt muss sich mit Rom abstimmen

Zuin nannte gegenüber dem Gazzettino eine mögliche Größenordnung von 30 Euro, nachdem in der Vergangenheit auch schon 50 Euro im Gespräch waren. Sein Argument: Wer etwa am 1. Mai zum wiederholten Mal nach Venedig fahren möchte, solle sich bei einem spürbar höheren Beitrag eher für einen Ausflug anderswo entscheiden. Die endgültige Höhe kann die Stadt jedoch nicht allein festlegen – dafür ist eine Abstimmung mit der italienischen Regierung und dem Parlament nötig, da der Rechtsrahmen für den Zugangsbeitrag auf nationaler Ebene geregelt ist. Zuin betonte zugleich, dass noch keine Entscheidung gefallen sei und die Stadt derzeit die Daten aus der dreijährigen Testphase sowie die Verwaltungskosten der Maßnahme auswerte.

Mehr Zahltage im Gespräch: auch März und September

Neben dem Betrag steht auch der Anwendungszeitraum zur Debatte. Bislang fiel der Zugangsbeitrag vor allem zwischen April und Juli an. Diskutiert wird nun eine Ausweitung auf März und September – Monate, in denen die Stadt weiterhin hohe Besucherzahlen verzeichnet. Auch von zusätzlichen Veranstaltungen ist die Rede, mit denen die Saison verlängert und Besucherströme über das Jahr verteilt werden sollen, etwa mit stärkerer Einbindung des Lido.

Auch die Ortstaxe für Übernachtungsgäste soll steigen

Parallel zum Zugangsbeitrag prüft die Stadt eine Anhebung der Ortstaxe (Tassa di Soggiorno), die Gäste mit Übernachtung zahlen. Im Gespräch ist ein Höchstbetrag von 8 bis 9 Euro pro Nacht für 5-Sterne-Hotels – damit würde sich Venedig an andere große italienische Städte angleichen, die ihre Sätze bereits erhöht haben. Laut Zuin sollen die Mittel für Besucherlenkung und Kampagnen wie #EnjoyRespectVenezia aus dem Tourismus selbst stammen und nicht die einheimische Bevölkerung sowie ansässige Betriebe belasten. Zugleich verwies er auf eine entsprechende Bitte der Hotellerie, wonach jede Änderung mit Augenmaß erfolgen müsse, um die eigenen Betriebe nicht zu schädigen.

Was das für Ihre Reiseplanung bedeutet

Für einen Besuch in der laufenden Saison 2026 ändert sich durch diese Ankündigung nichts – der Zugangsbeitrag galt 2026 nur an 60 festgelegten Tagen zwischen dem 3. April und dem 26. Juli und ist seit dem 27. Juli bis Jahresende ausgesetzt. Sollte die Neuregelung wie skizziert 2027 in Kraft treten, wäre für Tagesgäste ohne Übernachtung an den betroffenen Tagen mit deutlich höheren Kosten zu rechnen, während Übernachtungsgäste und Residenten weiterhin von der Zahlungspflicht befreit blieben. Alle aktuell gültigen Regeln, Fristen und Ausnahmen für den Zugangsbeitrag 2026 finden Sie unter Eintrittsgebühren Venedig 2026: Contributo di Accesso, Kalender & Buchung. Sobald der Stadtrat und die italienische Regierung eine verbindliche Regelung für 2027 beschließen, werden wir diese Seite aktualisieren.

Verwandte Themen

Quellen: Il Gazzettino, Interview mit Assessore Michele Zuin vom 21. September 2026 (zitiert nach Sky TG24, Il Fatto Quotidiano und QuiFinanza); Il Post und Sky TG24, Berichterstattung vom 19./20. Juni 2026 zum Vorschlag von Bürgermeister Simone Venturini sowie den Reaktionen von Hotellerie-Verband, Nicola Pellicani, Massimo Cacciari und dem Verfassungsrechtler Ludovico Mazzarolli (Corriere della Sera); QuiFinanza, Meldung vom 22. September 2026 zu möglicher Ausweitung des Kalenders und Anhebung der Ortstaxe. Stand dieses Beitrags: 22. September 2026. Es handelt sich um eine politische Ankündigung ohne bislang verbindlichen Beschluss.