Taschendiebe in Venedig: Polizei verstärkt Kontrollen – so schützen sich Reisende
Kurz erklärt: Taschendiebstahl bleibt in Venedigs historischem Zentrum ein relevantes Problem. Polizei und Stadt haben ihre Kontrollen an stark frequentierten Orten wie Rialto, San Marco, Piazzale Roma und dem Bahnhof Santa Lucia verstärkt. Neben klassischen Taschendiebstählen sollten Reisende derzeit auch auf andere aggressive Maschen achten — im Juni 2026 wurden mehrere illegale Gepäckträger festgenommen, die Touristen rund um den Bahnhof Gepäck abgenommen und für die Rückgabe Geld verlangt haben sollen. Die wichtigste Regel: Verdächtige nicht verfolgen, bedrängen oder eigenmächtig festhalten. Bei laufendem Diebstahl, Bedrohung oder körperlicher Auseinandersetzung sofort den europäischen Notruf 112 wählen.
Worum es geht
Organisierte Täter nutzen vor allem Situationen, in denen Reisende abgelenkt sind oder dicht gedrängt stehen: beim Ein- und Aussteigen aus dem Vaporetto, auf schmalen Brücken und in engen Gassen, beim Fotografieren, an Fahrkartenautomaten, beim Tragen von Koffern sowie an stark frequentierten Ankunftsorten.
Häufig arbeiten mehrere Personen zusammen. Eine Person lenkt ab, erzeugt Gedränge oder versperrt kurz den Weg, während eine zweite in eine Tasche oder einen Rucksack greift. Das Diebesgut wird anschließend schnell an ein weiteres Gruppenmitglied weitergegeben. Dokumentiert sind außerdem Fälle, in denen mutmaßliche Täter oder Personen aus ihrem Umfeld auf Ansprache aggressiv reagierten. Reisende sollten deshalb nicht versuchen, Verdächtige selbst zu verfolgen oder zur Rede zu stellen.
Aktuell: Sicherheits-Gipfel und verstärkte Präsenz im Sommer 2026
Anfang Juli 2026 haben die Präfektur Venedig, das Kommando der Polizia Locale und die Stadtverwaltung bei einem Treffen zur öffentlichen Sicherheit weitere Maßnahmen gegen organisierte Taschendieb-Gruppen abgestimmt. Anlass war unter anderem ein gewaltsamer Taschendiebstahl-Versuch im Zentrum, bei dem Ladenpersonal bedrängt wurde. Vorgesehen sind mehr Ordnungskräfte im historischen Zentrum, zusätzliche Videoüberwachung und ein besonderer Fokus auf den Verkehrsknoten Piazzale Roma, wo Streifen künftig auch nach Mitternacht präsent sein sollen. An den Grundregeln für Reisende ändert das nichts — die Meldung bestätigt aber, dass Taschendiebstahl an den bekannten Hotspots ein reales und aktiv bekämpftes Thema bleibt.
Wo besondere Aufmerksamkeit erforderlich ist
| Ort | Typische Risikosituation |
|---|---|
| Rialtobrücke und angrenzende Gassen | Engstellen, Fotostopps und ständig wechselnde Menschenströme |
| Markusplatz und Mercerie | große Besuchergruppen und abgelenkte Fotografierende |
| Strada Nova (Cannaregio) | stark frequentierte Fußverbindung zwischen Bahnhof und Rialto |
| Bahnhof Santa Lucia | Ankunft mit Gepäck, Fahrkartenkauf und Orientierungssuche |
| Piazzale Roma und Ponte della Costituzione | Gedränge, Koffertransport und Übergang zwischen Bus, Bahn und Vaporetto |
| Vaporetto-Linien 1 und 2 | dichtes Gedränge beim Ein- und Aussteigen |
| Anlegestellen Rialto, San Marco, Ferrovia und Accademia | Warteschlangen und kurzfristig öffnende Zugangssperren |
| Fahrkarten- und Geldautomaten | Konzentration auf Bildschirm, Geldbörse oder PIN-Eingabe |
Die Aufzählung bedeutet nicht, dass an diesen Orten ständig gestohlen wird. Es handelt sich um Bereiche, in denen die äußeren Bedingungen Taschendiebstähle erleichtern.
Neue Aufmerksamkeit rund um illegale Gepäckträger
Im Bereich zwischen dem Bahnhof Santa Lucia und der Ponte della Costituzione kommt es immer wieder vor, dass nicht autorisierte Personen Reisenden ungefragt beim Tragen von Koffern „helfen“ wollen. Im Juni 2026 wurden drei mutmaßliche illegale Gepäckträger wegen des Verdachts auf Raub, versuchten Raub und Erpressung festgenommen. Nach Angaben der Ermittler sollen sie Gepäckstücke teilweise gegen den Willen der Besitzer an sich genommen und anschließend Geld für deren Rückgabe verlangt haben.
Übergeben Sie Ihr Gepäck deshalb nur eindeutig erkennbaren, offiziell beauftragten Dienstleistern. Lehnen Sie ungefragte Hilfe freundlich, aber bestimmt ab und behalten Sie Koffer und Taschen in der Hand.
So verhalten Sie sich richtig
Nicht selbst eingreifen
Verfolgen oder bedrängen Sie Verdächtige nicht und versuchen Sie nicht, Personen eigenmächtig festzuhalten. Eine solche Situation kann eskalieren und rechtliche Konsequenzen haben. Eine kurze Aufnahme zur Dokumentation einer konkreten Gefahrensituation kann unter Umständen hilfreich sein. Veröffentlichen Sie erkennbare Personen jedoch nicht eigenmächtig in sozialen Netzwerken — übergeben Sie vorhandenes Bildmaterial stattdessen ausschließlich der Polizei.
Bei akuter Gefahr 112 wählen
Wählen Sie 112, wenn gerade ein Diebstahl stattfindet, eine Person bedroht oder körperlich angegriffen wird, Täter verfolgt werden können, ohne dass Sie sich selbst in Gefahr bringen, oder medizinische Hilfe benötigt wird. Merken Sie sich möglichst Ort und Fluchtrichtung, Kleidung und auffällige Merkmale, die Anzahl der beteiligten Personen sowie den Zeitpunkt des Vorfalls.
Die Polizei-App YouPol ist vor allem für bestimmte Meldekategorien wie Drogenhandel, Mobbing und häusliche Gewalt vorgesehen. Sie sollte bei einem laufenden Taschendiebstahl nicht anstelle des Notrufs verwendet werden.
Wertsachen körpernah tragen
Geeignet sind verschlossene Crossbody-Taschen oder kleine Innentaschen, die auf der Körpervorderseite getragen werden. Vermeiden Sie Mobiltelefone in der hinteren Hosentasche, Geldbörsen in offenen Jackentaschen, Rucksäcke mit außen liegenden Wertsachen, offen sichtbare Bargeldbestände sowie Smartphones, die am Rand eines Restauranttisches liegen. Tragen Sie Bargeld, Karten, Ausweis und Mobiltelefon möglichst nicht alle am selben Ort.
Beim Vaporetto besonders aufmerksam sein
Kontrollieren Sie vor dem Boarding, ob Reißverschlüsse geschlossen sind. Nehmen Sie einen Rucksack im Gedränge nach vorne oder halten Sie ihn zwischen den Beinen. Besondere Aufmerksamkeit ist geboten, wenn andere Personen ungewöhnlich dicht aufrücken, wenn jemand scheinbar versehentlich gegen Sie stößt, wenn mehrere Personen gleichzeitig Fragen stellen oder wenn jemand beim Einsteigen plötzlich stehen bleibt.
PIN und Smartphone schützen
Decken Sie bei Kartenzahlungen und an Automaten das Tastenfeld ab. Aktivieren Sie auf dem Smartphone Bildschirmsperre oder biometrische Entsperrung, Geräteortung, SIM-PIN, automatische Datensicherung und eine kurze Zeit bis zur automatischen Sperre. Notieren Sie die IMEI-Nummer des Telefons nicht nur auf dem Gerät selbst, sondern in einer sicher erreichbaren Cloud oder in Ihren Reiseunterlagen.
Was tun, wenn etwas gestohlen wurde?
1. Karten und Konten sperren
Der deutsche Sperr-Notruf ist aus Italien unter +49 116 116 erreichbar. Falls diese Verbindung nicht funktioniert, steht als Alternative +49 30 4050 4050 zur Verfügung. Nicht alle Kartenanbieter nehmen am zentralen Sperr-Notruf teil — speichern Sie zusätzlich die Notfallnummer Ihrer eigenen Bank. Prüfen Sie anschließend das Konto und melden Sie unbekannte Abbuchungen unverzüglich der Bank.
2. Smartphone sperren und orten
Versetzen Sie das Gerät über „Wo ist?“ beziehungsweise „Mein Gerät finden“ in den Verlustmodus. Lassen Sie die SIM-Karte beim Mobilfunkanbieter sperren. Versuchen Sie nicht, ein geortetes Telefon selbst von mutmaßlichen Tätern zurückzuholen — teilen Sie den Standort der Polizei mit.
3. Polizeianzeige erstatten
Lassen Sie den Diebstahl möglichst umgehend bei der Polizia di Stato oder den Carabinieri aufnehmen und lassen Sie sich eine Kopie beziehungsweise eine Vorgangsnummer geben. Der Nachweis wird häufig benötigt für Reiseversicherungen, Hausratversicherungen mit Außenversicherung, Ersatzdokumente, Banken und Kreditkartenunternehmen sowie Mobilfunk- oder Geräteversicherungen.
4. Ausweisdokumente melden
Wurden Personalausweis oder Reisepass gestohlen, kontaktieren Sie zusätzlich die zuständige deutsche, österreichische oder Schweizer Auslandsvertretung. Führen Sie nach Möglichkeit eine digitale Kopie der Dokumente getrennt vom Original mit.
Einordnung
Die wichtigsten Nummern
| Wofür | Nummer |
|---|---|
| Europäischer Notruf (alle Dienste) | 112 |
| Polizia di Stato | 113 |
| Deutscher Sperr-Notruf aus dem Ausland | +49 116 116 |
| Sperr-Notruf — Alternative | +49 30 4050 4050 |
