Spritpreisdeckel in Italien: Eni und IP begrenzen Benzin- und Dieselpreise ab 28. September

von mike Tourismus News

Kurz erklärt: Seit Montag, 28. September 2026, gilt an den Tankstellen des Eni-Vertriebsnetzes Enilive ein Preisdeckel: Benzin kostet dort maximal 1,99 Euro, Diesel maximal 2,19 Euro pro Liter. Zunächst für 30 Tage, mit möglicher Verlängerung bis Jahresende. Einen Tag später kündigte auch IP (Italiana Petroli, seit Mai 2026 im Besitz der aserbaidschanischen Socar-Gruppe) einen eigenen Deckel an – allerdings vorerst ohne konkrete Preisangabe. Zusammen decken beide Netze rund 8.500 der etwa 22.000 italienischen Tankstellen ab, also gut ein Drittel. Tankstellenverbände werfen den Konzernen unlauteren Wettbewerb vor, die Regierung begrüßt die Maßnahme als freiwilligen Beitrag ohne neue Steuer. Für Autofahrerinnen und Autofahrer auf dem Weg nach Venedig bedeutet das: An Eni- und (bald) IP-Stationen lässt sich in den kommenden Wochen spürbar günstiger tanken.

Enis Preisdeckel ab 28. September: die konkreten Zahlen

Der Mineralölkonzern Eni hat für sein Tankstellennetz Enilive feste Höchstpreise eingeführt: 1,99 Euro pro Liter Benzin und 2,19 Euro pro Liter Diesel. Einzelne Stationen dürfen darunterliegen, die Obergrenze aber nicht überschreiten. Die Maßnahme gilt zunächst für 30 Tage, also bis zum 27. Oktober 2026, eine Verlängerung bis zum Jahresende ist je nach Marktentwicklung möglich. Eni rechnet mit monatlichen Kosten von rund 100 Millionen Euro für die Preisstützung. Bei einer 50-Liter-Tankfüllung ergibt sich gegenüber dem bisherigen Landstraßendurchschnitt eine Ersparnis von etwa 8,45 Euro bei Benzin und 9,35 Euro bei Diesel – für Gewerbetreibende fällt der Nettovorteil wegen der Vorsteuerabzugsfähigkeit geringer aus.

Warum jetzt? Der Hintergrund der Preiserhöhung

Ausgelöst wurde die Debatte durch eine schrittweise Kürzung der staatlichen Steuervergünstigung für Diesel im gewerblichen Transportsektor, die von 17 Cent auf 6,1 Cent pro Liter sinkt. Prognosen zufolge hätte dies zu spürbaren Preissteigerungen an den Zapfsäulen geführt, noch bevor die eigentliche Herbst- und Wintersaison beginnt. Eni reagierte mit dem eigenen Preisdeckel, um dieser Entwicklung zuvorzukommen. Die italienische Regierung hat für den 8. Oktober 2026 zudem ein Treffen mit den heimischen Raffinerien angekündigt, bei dem es um eine Erhöhung der Produktionskapazität gehen soll.

IP zieht nach – aber ohne konkrete Preisangabe

Einen Tag nach Eni kündigte auch IP (Italiana Petroli) einen eigenen Preisdeckel an. Das Unternehmen gehört seit dem 8. Mai 2026 zur aserbaidschanischen Socar-Gruppe und betreibt mehr als 4.500 Tankstellen in Italien. Die Umsetzung soll „progressiv“ ab dem 28. September erfolgen, konkrete Preisschwellen nannte IP jedoch zunächst nicht. In einer offiziellen Mitteilung heißt es lediglich, die Preise würden „basierend auf verschiedenen Anforderungen festgelegt, um das Überleben der Lieferkette zu garantieren“ – eine deutlich vagere Formulierung als bei Eni. Kritiker wie der Unimpresa-Vorsitzende Paolo Longobardi weisen darauf hin, dass eine einzelne unternehmerische Initiative keine strukturelle Fiskalpolitik ersetzen könne. Zusammen mit Eni erfasst IP damit etwa 8.500 der rund 22.000 Tankstellen in Italien – gut ein Drittel des Marktes.

Kritik der Branche: Vorwurf des unlauteren Wettbewerbs

Nicht alle reagieren positiv auf die Preisdeckel. Der Tankstellenverband Figisc spricht von einer Maßnahme, die den Markt „sconvolge“ (durcheinanderbringt) und zu unlauterem Wettbewerb führt. Auch der Verband Assopetroli-Assoenergia übt scharfe Kritik: Verbandspräsident Andrea Rossetti erklärte, selbst bei vollständigem Verzicht auf die eigene Marge könnten unabhängige Tankstellenbetreiber die Preise der Konzerne niemals erreichen. Der Grund: Der Deckel gilt in erster Linie für das eigene Privatkundengeschäft der Konzerne, nicht für den Großhandel – Vertragspartner (sogenannte convenzionati), die ihre Bestände bereits zu höheren Preisen eingekauft haben, geraten dadurch zusätzlich unter Druck. Der Transportverband Assotir fordert weitergehende Maßnahmen und schließt Protestaktionen nicht aus, sollte sich an der Grundproblematik – der gekürzten Dieselsteuervergünstigung für Speditionen – nichts ändern. Zudem sind bei einzelnen Eni-Stationen vorübergehende Engpässe nicht ausgeschlossen, falls die Nachfrage durch den günstigeren Preis stark ansteigt.

Politik: „freiwilliger Beitrag“ statt neuer Steuer

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete den Schritt als „wichtiges Signal“ und dankte den beteiligten Unternehmen. Vizepremier Antonio Tajani betonte, es handle sich um einen freiwilligen Beitrag der Konzerne – „keine Vorgabe von oben, keine neue Steuer“. Aus Sicht der Regierung ist die Maßnahme in erster Linie ein Vorteil für Verbraucherinnen und Verbraucher, ohne dass der Staatshaushalt oder Speditionen direkt entlastet würden. Verbraucherverbände fordern dennoch zusätzliche, strukturelle Maßnahmen, da die Preisdeckel freiwillig, zeitlich begrenzt und jederzeit widerrufbar sind.

Was das für Ihre Anreise nach Venedig bedeutet

Wer mit dem Auto über die A4 (aus Richtung Brenner/A22 oder Tauern-Villach/A23) nach Venedig oder an die obere Adria fährt, kann in den kommenden Wochen an Enilive- und IP-Tankstellen gezielt günstiger tanken. Praktisch heißt das: Auf der Fahrt lohnt sich ein kurzer Blick auf die Markenschilder an den Autobahn-Raststätten und in Grenznähe – Enilive-Stationen sind an Autostrada-Raststätten (Autogrill-Areale) und in größeren Orten verbreitet, IP-Stationen erkennen Sie am blau-weißen Logo. Da der Eni-Deckel zunächst nur bis zum 27. Oktober 2026 gilt und eine Verlängerung noch nicht feststeht, betrifft die Ersparnis vor allem Reisen im Oktober; bei einer möglichen Verlängerung bis Jahresende würden auch Reisende zur Vorweihnachtszeit profitieren. Ein Umweg allein wegen des Preisdeckels lohnt sich bei einer Ersparnis von rund 8 bis 9 Euro pro Tankfüllung in der Regel nicht – wer ohnehin an einer Enilive- oder IP-Station tankt, zahlt in diesem Zeitraum aber spürbar weniger als an freien Tankstellen oder bei Wettbewerbern ohne eigenen Deckel. Grundlegende Informationen zur Anreise mit dem Auto, zu Maut, Parkplätzen und Alternativen finden Sie unter Anreise Venedig 2026: Bahn, Flugzeug, Auto, Bus & Tagestouristen-Beitrag.

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