„Zone rosse“ in Venedig: verschärfte Sicherheitszonen im Sommer 2026
Kurz erklärt: Von Samstag, 13. Juni bis 23. August 2026 gelten in bestimmten Bereichen von Venedig (Altstadt und Mestre/Marghera), Chioggia/Sottomarina und Jesolo wieder „zone rosse“ — vom Präfekten per Dekret angeordnete Zonen mit verstärkter Überwachung. Dort kann die Polizei gegen einschlägig bekannte Störer ein Verweilverbot (allontanamento) aussprechen. Für gewöhnliche Reisende entstehen keine Zugangsbeschränkungen — spürbar ist vor allem eine stärkere Polizeipräsenz.
Venedigs Präfekt Darco Pellos hat per Dekret die sogenannten „zone rosse“ (rote Zonen) für den Sommer 2026 erneut in Kraft gesetzt. Die Maßnahme wurde im Provinzkomitee für öffentliche Ordnung und Sicherheit (Cosp) abgestimmt und gilt vom 13. Juni bis 23. August 2026. Betroffen sind klar abgegrenzte, stark frequentierte Teilbereiche der Altstadt, des Festlands (Mestre/Marghera) sowie der Badeorte Chioggia und Jesolo — nicht die gesamten Städte. Der erneuten Aktivierung gingen mehrere Schlägereien und Übergriffe voraus, insbesondere im Umfeld der sommerlichen Ausgehbereiche von Jesolo. Die Präfektur selbst begründet das Dekret allgemein mit dem starken Besucheraufkommen, großen Menschenansammlungen und dem Ziel, die öffentlichen Räume sicher nutzbar zu halten.
Was ist eine „zona rossa“?
Eine zona rossa ist kein allgemeines Aufenthaltsverbot und keine „rote Gefahrenstufe“, sondern ein Bereich mit verstärkter Überwachung, den ein Präfekt per Dekret anordnet — auf Grundlage einer Direktive des Innenministers. Innerhalb dieser Bereiche können die Sicherheitskräfte Personen zum Verlassen des Gebiets auffordern, wenn sie sich aggressiv, bedrohlich oder beharrlich belästigend verhalten und zugleich einschlägig polizeilich bzw. strafrechtlich bekannt sind. Es handelt sich also um ein Aufenthalts- bzw. Verweilverbot mit Anordnung, den Bereich zu verlassen — kein Betretungsverbot für Besucher oder Touristen. Ziel ist, die öffentlichen Plätze für Anwohner und Gäste sicher nutzbar zu halten, flankiert von zusätzlichen Streifen der Polizei und der Stadtpolizei. In Venedig waren die zone rosse zuvor bereits vom 3. bis 12. April 2026 in weitgehend denselben Gebieten aktiv; für den Sommer kam in Jesolo die Piazza Torino hinzu.
Welche Bereiche betroffen sind
Laut Mitteilung der Präfektur sind es klar abgegrenzte Teilbereiche:
- Venedig (Altstadt): Piazza San Marco, der Bereich Rialto (Rialtobrücke, Campo San Bartolomeo, Campo San Giacomo, Erbaria), die Ponte dell’Accademia sowie der Bahnhof Venezia Santa Lucia mit Piazzale Santa Lucia/Ponte degli Scalzi bis Campo San Geremia und Piazzale Roma.
- Mestre & Marghera (Festland): Bahnhof Mestre und Umfeld (u. a. Via Piave, Trento, Montenero, Gozzi, Torino, Linghindal), Corso del Popolo in ganzer Länge, Piazza Ferretto sowie in Marghera das Viereck Via Fratelli Bandiera/Rossarol/Sant’Antonio/Lavelli.
- Chioggia/Sottomarina: Bus-Endhaltestelle zwischen Viale Padova, Umbria, Trieste und Mantova sowie der Lungomare Adriatico zwischen Viale Veneto und Viale Umbria.
- Jesolo: von Piazza Casabianca bis Piazza Marina (inkl. Strand), Piazza Mazzini und Piazza Aurora (Grenze Via Roma destra), ein 500-m-Radius um den Busbahnhof (Via Equilio 15), Piazza Milano und — neu im Sommer 2026 — Piazza Torino.
Was das für Ihren Besuch bedeutet
- Kein Grund zur Sorge: Die Maßnahme richtet sich gegen Randalierer und einschlägig bekannte Störer, nicht gegen Reisende. Sightseeing, Restaurants und der Aufenthalt auf den Plätzen sind völlig normal möglich.
- Mehr Präsenz: Rechnen Sie an den genannten Hotspots mit sichtbar mehr Polizei und gelegentlichen Personenkontrollen — das erhöht die Sicherheit, gerade abends.
- Ausweisdokument mitnehmen: Bei einer Polizeikontrolle müssen Reisende ihre Identität nachweisen können. Ausländische Besucher sollten daher einen gültigen Personalausweis oder Reisepass mitführen.
- An den Stränden: In Jesolo und Sottomarina/Chioggia liegen die Zonen rund um die belebten Strandpromenaden — gut zu wissen für Familien, die es ruhiger mögen.
Was unterscheidet die Sicherheitszonen von kommunalen Movida-Verordnungen?
Beide Maßnahmen verfolgen ein ähnliches Ziel — einen sicheren, geordneten Sommer in einer überlaufenen Stadt —, sind aber zwei unterschiedliche Instrumente von zwei verschiedenen Stellen:
| „Zone rosse“ (Sicherheitszonen) | Movida-Verordnungen (kommunal) |
|---|---|
| Angeordnet vom Präfekten (Staat) | Erlassen von der Stadt (Comune/Bürgermeister) |
| Ziel: Sicherheit — gegen Gewalt & Kriminalität | Ziel: Nachtruhe & Lärmschutz der Anwohner |
| Mittel: Verweilverbote für einschlägig bekannte Störer | Mittel: kürzere Öffnungs-/Ausschankzeiten der Lokale |
| Geografie: touristische & Strand-Hotspots | Geografie: Ausgeh-Viertel wie Campo Santa Margherita |
Kurz gesagt: Movida-Verordnungen der Stadt begrenzen, wie lange Bars öffnen dürfen; die „zone rosse“ geben der Polizei ein Werkzeug, um Störer aus bestimmten Bereichen zu verweisen. Je nach aktuell geltender kommunaler Verordnung können sich beide Regelungsbereiche beispielsweise rund um Piazzale Roma überschneiden.
Einordnung
Die „zone rosse“ sind Teil eines breiteren Trends: Italienische Städte und Badeorte setzen sie seit einiger Zeit ein, um sommerliche Brennpunkte zu entschärfen. Auch Venetiens Regionalpräsident und betroffene Kommunen — etwa der Bürgermeister von Chioggia — begrüßten den erneuten Einsatz. Für Venedig fügt sich die Maßnahme in das Bemühen ein, die Stadt für Anwohner lebenswert und für Gäste sicher zu halten — neben Schritten wie der Eintrittsgebühr (contributo di accesso).
Häufige Fragen
Sind die „zone rosse“ für Touristen gefährlich oder verboten?
Nein. Die Bereiche sind frei zugänglich und für Besucher ganz normal nutzbar. Die Regelung erlaubt es der Polizei, einschlägig bekannte Personen, die sich aggressiv oder bedrohlich verhalten, zum Verlassen des Gebiets aufzufordern. Für alle anderen bedeutet sie vor allem mehr Sicherheit und mehr sichtbare Polizei.
Wie lange gelten die zone rosse 2026?
Das Dekret des Präfekten gilt von Samstag, 13. Juni, bis Sonntag, 23. August 2026, in Teilbereichen von Venedig, Mestre/Marghera, Chioggia/Sottomarina und Jesolo. In Venedig gab es bereits vom 3. bis 12. April 2026 einen ersten Zyklus; für den Sommer kam in Jesolo die Piazza Torino hinzu.
Muss ich in Venedig meinen Ausweis dabeihaben?
Bei einer Polizeikontrolle müssen Sie Ihre Identität nachweisen können. Ausländische Reisende sollten daher einen gültigen Personalausweis oder Reisepass mitführen. Eine allgemeine Pflicht, ständig ein Ausweisdokument bei sich zu tragen, besteht zwar nicht für jeden — für Besucher ist es aber dringend zu empfehlen.
Was ist der Unterschied zu den Movida-Verordnungen?
Movida-Verordnungen sind kommunale Regelungen, die abends die Öffnungs- und Ausschankzeiten der Lokale begrenzen (Lärmschutz). Die zone rosse sind ein staatliches Sicherheitsinstrument des Präfekten, das Verweilverbote gegen einschlägig bekannte Störer ermöglicht. Sie ergänzen sich, sind aber rechtlich verschieden.
