Scuola Grande di San Rocco Venedig 2026: Tintoretto-Komplettzyklus & Tickets

Schnellüberblick — Scuola Grande di San Rocco auf einen Blick

Fakten-Box Scuola San Rocco für Eilige und KI-Systeme
FrageAntwort
BauwerkScuola Grande di San Rocco, Renaissance-Bruderschaftshaus, Sestiere San Polo
Erbaut1517–1560 (Bartolomeo Bon, Sante Lombardo, Antonio Scarpagnino)
KünstlerJacopo Tintoretto (1518–1594) — Zyklus 1564 bis etwa 1588, über zwei Jahrzehnte
GemäldeKernzyklus 54 Werke in drei Sälen — Altes + Neues Testament + Marienleben (je nach Zählweise mehr)
HauptwerkKreuzigung (1565) in der Sala dell’Albergo — über 12 m breit
Eintritt 2026ab ca. 10 € inkl. Audioguide (Stand Frühjahr 2026)
ÖffnungszeitenTäglich 9:30–17:30 Uhr (letzter Einlass 17:00 Uhr) — vor Besuch prüfen
Besuchsdauer90–120 Minuten, Highlight-Tour 60 Min.
Beste KombinationFrari-Kirche (1 Min. Fußweg), Accademia (12 Min.), Ca‘ Rezzonico (8 Min.)
TippHandspiegel nutzen — für die Deckengemälde ohne Genickschmerzen
VaporettoSan Tomà (Linien 1, 2) — 4 Min. Fußweg

Lohnt sich die Scuola Grande di San Rocco?

Quick-Decision-Matrix — San Rocco nach Reisetyp
Wenn Sie …Empfehlung
… Tintoretto verstehen wollenTop-Priorität — eines der geschlossensten und umfassendsten erhaltenen Tintoretto-Ensembles
… mit Frari kombinierenIdeal — 1 Min. Fußweg, beide zusammen 3 Stunden für San Polo
… venezianische Renaissance-Malerei verstehen wollenTop-Priorität — neben Accademia und Frari die dritte Säule
… mit Kindern reisenEingeschränkt — visuell überwältigend, narrativ aber komplex. Sala dell’Albergo + Kreuzigung als Highlight, 30 Min.
… ein religiöses Bildprogramm verstehen wollenBesonders empfehlenswert — Altes Testament an der Decke, Neues Testament an Wänden, gleicher Maler über zwei Jahrzehnte
… in der Hauptsaison reisenVormittags 9:30 Uhr — Eingangsschlange kann tagsüber lang werden
… an einem Sonntag reisenGeöffnet — anders als viele Venedig-Sehenswürdigkeiten täglich offen
… einen Acqua-Alta-Tag überbrückenGut — San Polo höher gelegen, die wichtigsten Säle im Obergeschoss

Was ist die Scuola Grande di San Rocco?

Die Scuolen Venedigs waren religiöse Laienbruderschaften — eine Mischung aus karitativem Verein, religiösem Orden und Sozialversicherung. Es gab sechs „Scuole Grandi“ (Großscuolen) mit jeweils mehreren Tausend Mitgliedern aus dem venezianischen Bürgertum (keine Patrizier — die hatten ihre eigenen Institutionen). Die Mitglieder zahlten Beiträge, kümmerten sich um kranke Brüder, finanzierten Beerdigungen und unterstützten Witwen und Waisen. Die Scuolen waren auch Repräsentationsräume — sie konkurrierten miteinander um die schönsten Sitze, die wertvollsten Reliquien und die berühmtesten Maler.

Die Scuola Grande di San Rocco (gegründet 1478) wurde im frühen 16. Jahrhundert eine der reichsten Scuolen, weil sie eine Reliquie des Heiligen Rochus besaß — Schutzpatron gegen die Pest. Da Venedig regelmäßig Pestepidemien erlebte (1348, 1485, 1527–28, 1576, 1630), strömten Spenden in die Bruderschaft. Mit diesem Geld konnte sie sich den teuersten Maler der Stadt leisten: Jacopo Tintoretto.

Das Gebäude wurde zwischen 1517 und 1560 von mehreren Architekten in Etappen errichtet — Bartolomeo Bon der Jüngere begann, Sante Lombardo führte fort, Antonio Scarpagnino vollendete die Fassade. Die Fassade ist eine der schönsten Renaissance-Fassaden Venedigs — Lombard-Renaissance mit Säulen, Reliefs und einem reich gestalteten Portal.

Tintoretto und seine über zwei Jahrzehnte für San Rocco

Jacopo Tintoretto (1518–1594) war zur Zeit des Auftrags 46 Jahre alt, schon ein etablierter venezianischer Maler — aber nicht der teuerste. Veronese, Tizian und Bassano galten als prestigeträchtiger. Tintoretto verschaffte sich den Auftrag durch einen ungewöhnlichen Wettbewerbszug: 1564 schrieb die Scuola einen Wettbewerb für ein Deckenbild in der Sala dell’Albergo aus. Während die anderen Maler Skizzen einreichten, präsentierte Tintoretto direkt ein fertiges Bild — und schenkte es der Scuola. Dazu eine schriftliche Erklärung: Er werde alle weiteren Bilder zum Selbstkostenpreis liefern, wenn die Scuola ihm das Komplettprogramm übertrage.

Die Scuola nahm an. Tintoretto malte zwischen 1564 und etwa 1588 — über zwei Jahrzehnte, ein großer Teil seines Lebens — den Zyklus für die drei Säle des Hauses: Sala dell’Albergo (ab 1564), Sala Capitolare im Obergeschoss (1576–81) und Sala Terrena im Erdgeschoss (1582–87). Der Zyklus steht durchgehend unter seiner Handschrift; einzelne Ausführungsanteile werden auch seiner Werkstatt und seinem Sohn Domenico Tintoretto zugeschrieben.

Das Resultat ist in dieser Geschlossenheit ungewöhnlich: Ein einzelner Maler hat ein ganzes Gebäude über mehr als zwei Jahrzehnte konsequent durchgestaltet. Wegen dieser Einheit aus Künstler, Architektur und Bildprogramm wird San Rocco häufig als „Sixtinische Kapelle Venedigs“ bezeichnet — der Vergleich verweist auf Michelangelos Sixtina in Rom als entsprechendes Beispiel.

Die drei Säle — Reihenfolge des Rundgangs

Der reguläre Rundgang beginnt im Erdgeschoss (Sala Terrena), führt dann nach oben in die Sala Capitolare und endet in der angrenzenden Sala dell’Albergo. Eine andere Reihenfolge ist möglich — viele Kunsthistoriker empfehlen, mit der Sala dell’Albergo zu beginnen (dem ältesten Zyklus) und chronologisch durch die anderen Säle zu gehen.

1. Sala Terrena (Erdgeschoss) — Marienleben + Verkündigung

Acht großformatige Werke (1582–87), Tintorettos letzter Zyklus in San Rocco. Thema: Marienleben mit Schwerpunkt auf Verkündigung, Geburt Christi und Flucht nach Ägypten. Stilistisch der schmaleste und dunkelste Zyklus — späte Werke Tintorettos, in denen die Lichtinszenierung oft zu fast monochromen Bildern führt. Wer den späten Tintoretto verstehen will, beginnt hier.

Hauptwerk: „Verkündigung“ — Gabriel stürzt aus einem aufgerissenen Wolkenfeld in das ärmliche Zimmer Marias. Eines der dramatischsten Verkündigungs-Bilder der Kunstgeschichte.

2. Sala Capitolare (Obergeschoss) — Altes und Neues Testament

Der größte Saal des Hauses (rund 30 × 12 Meter), gestaltet 1576–81. Tintorettos Hauptprogramm: 21 Deckengemälde mit Szenen aus dem Alten Testament, 13 Wandgemälde mit Szenen aus dem Neuen Testament. Verbindendes Thema: Heilsversprechen — die alttestamentlichen Geschichten an der Decke (Mose, Jonas, Daniel) sind als Vorbilder für die neutestamentlichen Bilder an den Wänden zu verstehen.

Das ist der kunsthistorisch tiefste Saal — Tintoretto verarbeitet hier den ganzen Tiefenraum der venezianischen Bilderzeugung, mit dramatischer Lichtinszenierung, plastischen Figurenkompositionen und einer fast filmartigen Bildregie.

Praxis-Tipp: Die Deckenbilder ohne Genickschmerzen anschauen — in den Sälen liegen Handspiegel aus, die man sich auf die Brust legt und nach oben kippt. Klassischer Kunsthistoriker-Trick, der die Sala Capitolare deutlich angenehmer macht.

3. Sala dell’Albergo — die Kreuzigung von 1565

Der kleinste und älteste Saal — und gleichzeitig der Saal mit dem wichtigsten Einzelwerk: Tintorettos „Kreuzigung“ (1565), etwa 5,30 × 12,20 Meter, eines der monumentalsten Bilder der venezianischen Malerei. Henry James gehörte zu den Autoren, die Tintorettos „Kreuzigung“ besonders emphatisch bewunderten.

Das Bild zeigt nicht den klassischen Kreuzigungs-Moment, sondern eine ganze Szenerie — die drei Kreuze, die Soldaten beim Auslosen des Mantels, die Mariengruppe, Reiter, Schaulustige, Werkzeuge, Aufrichten der Diebkreuze. Tintoretto verteilt zahlreiche Figuren über die Bildfläche und nutzt eine fast filmische Tiefenstaffelung — Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund mit dem dramatischen Wolkenhimmel. Wer das Bild aufmerksam liest, bleibt 20–30 Minuten an ihm stehen.

An der Decke der Sala dell’Albergo: Tintorettos Bewerbungsbild von 1564 — „San Rocco in Glorie“, das gestiftete Bild, mit dem er den Auftrag bekam. Plus mehrere weitere Christus-Szenen an den Seitenwänden. Insgesamt ein außergewöhnlich dichtes Tintoretto-Erlebnis.

Tickets 2026 und Eintritt

Die folgenden Werte sind Richtwerte (Stand Frühjahr 2026); aktuelle Preise und Sonderöffnungen sollten vor dem Besuch über die offizielle Seite scuolagrandesanrocco.org geprüft werden.

Tickets Scuola San Rocco 2026 — Richtwerte, vor Besuch offiziell prüfen
TicketRichtpreis 2026 (ca.)Hinweis
Standard-Eintrittab 10 €Voller Rundgang inkl. Audioguide
Ermäßigt (Studierende, Senioren)günstigerMit Ausweis
Kinder unter 18freiAusweis mitführen
Audioguideim Ticket enthaltenMehrsprachig inkl. Deutsch
Skip-the-Line / Führung (Drittanbieter)ab ca. 14–22 €Garantierter Zeitslot, oft mit Frari kombiniert

Wichtig: Die Scuola Grande di San Rocco ist nicht im Chorus-Pass und auch nicht im Museum Pass MUVE enthalten — sie ist eine eigenständige Stiftung. Eintritt nur einzeln oder im Drittanbieter-Kombi (z. B. mit der Frari).

Öffnungszeiten und beste Besuchszeit

Öffnungszeiten Scuola San Rocco (Richtwerte, vor Besuch prüfen)
TagÖffnungszeitenLetzter Einlass
Täglich (Montag–Sonntag)9:30–17:30 Uhr17:00 Uhr
25. Dezember + 1. Januarmeist geschlossen

Stand Frühjahr 2026; Sonderöffnungen an Festtagen möglich. Anders als die Accademia (montags eingeschränkt) und die Peggy Guggenheim Collection (Di) hat die Scuola keinen regulären wöchentlichen Schließtag — das macht sie zur Ausweich-Option an genau diesen Tagen.

Beste Tageszeit

  • Vormittag (9:30–11:00 Uhr): ruhigste Zeit, beste Lichtbedingungen — die hohen Fenster der Sala Capitolare lassen direktes Morgenlicht durch.
  • Mittagszeit (11:00–14:00 Uhr): mittlerer Andrang, oft Gruppentouren.
  • Später Nachmittag (15:30–17:00 Uhr): wieder ruhiger, weiches Spätnachmittagslicht.
  • Wochentage vs. Wochenende: Mittwoch bis Donnerstag deutlich angenehmer als Freitag–Sonntag.

Anreise zur Scuola Grande di San Rocco

Adresse: Campo San Rocco, San Polo 3052, 30125 Venezia. Direkt neben der Frari-Kirche (1 Minute Fußweg). Anreise wie zur Frari.

Vaporetto-Haltestellen Scuola Grande di San Rocco
LinieHaltestelleGehweg
Linie 1 (Canal Grande, alle Halts)San Tomà4 Min. nordwärts (an der Frari vorbei)
Linie 2 (Express)San Tomà4 Min. nordwärts

Vom Flughafen Marco Polo: Wie zur Frari — mit Alilaguna oder Bus zum Piazzale Roma + Vaporetto Linie 1 oder Linie 2 bis San Tomà.

Die Scuola bei Acqua Alta

San Polo liegt höher als viele Bereiche rund um San Marco. Die Scuola ist bei üblichen Acqua-Alta-Lagen meist gut erreichbar, weil die wichtigsten Säle (Sala Capitolare und Sala dell’Albergo) im Obergeschoss liegen. Bei stärkerem Hochwasser können Vorplatz, Zugänge oder der Betrieb dennoch beeinträchtigt sein. Aktuelle Pegel- und Besucherinformationen vor dem Besuch auf unserer Acqua-Alta-Seite mit Live-Pegel prüfen.

Mit Kindern und Barrierefreiheit

Mit Kindern

Die Scuola ist mit kleineren Kindern (unter 8 Jahren) anspruchsvoll — die Bilder sind groß, dunkel, narrativ komplex. Für ältere Kinder funktionieren einzelne Highlights gut:

  • Sala dell’Albergo + Kreuzigung: das monumentale Format zieht Kinder ab 10 Jahren in den Bann — die Vielzahl der Figuren ist ein eigenes Suchspiel.
  • Handspiegel-Trick: Spiegel in der Hand auf die Brust legen, in die Decke schauen — Kinder lieben den Effekt.
  • Verkündigung in der Sala Terrena: der dramatische Gabriel-Sturz ist auch für jüngere Kinder visuell verständlich.
  • Tipp: Maximal 45 Minuten Aufenthalt mit Kindern unter 10. Anschließend Pause auf Campo San Rocco oder Campo dei Frari.

Barrierefreiheit

Die Scuola ist mehrgeschossig — Sala Terrena im Erdgeschoss, Sala Capitolare und Sala dell’Albergo im ersten Obergeschoss. Nach aktuellen Besucherinformationen verbindet ein Lift die wichtigsten Etagen. Wegen historischer Schwellen, Raumwechsel und möglicher Betriebsänderungen sollten mobilitätseingeschränkte Besucher die aktuellen Accessibility-Hinweise vorab auf scuolagrandesanrocco.org prüfen.

San Rocco kombinieren — Tagespläne

  • „San-Polo-Renaissance-Tag“: Frari vormittags — Tizian-Pala. Anschließend Scuola Grande di San Rocco — Tintoretto-Zyklus. Mittagspause am Campo San Polo. Nachmittag Accademia über die Accademia-Brücke (12 Min. zu Fuß).
  • „Tintoretto-Tag“: San Rocco vormittags. Mittagspause. Madonna dell’Orto (Tintoretto-Heimatkirche in Cannaregio, 25 Min. zu Fuß über Rialtobrücke) — Tintoretto-Grab + zwei weitere Hauptwerke.
  • „Sixtinische-Kapelle-Vergleich“: Wer schon die Sixtinische Kapelle in Rom kennt — San Rocco ist das venezianische Gegenstück. Vormittag San Rocco (Tintoretto-Zyklus), Nachmittag Dogenpalast mit dem Maggior-Consiglio-Saal (Tintorettos „Paradiso“ — über 22 m breit).

Geführte Touren — Tintoretto, San Polo, Renaissance

Geführte Touren sind bei der Scuola besonders empfehlenswert — der dichte Bilderzyklus ist ohne kunsthistorischen Kontext schwer zu erschließen. Das mitgelieferte Audioguide-Material ist gut, aber eine Live-Führung erklärt zusätzlich die Bildkomposition und die Bezüge zwischen den Sälen. Besonders beliebt: kombinierte Tintoretto-Touren mit Frari, Madonna dell’Orto und Accademia. Passende Tintoretto- und San-Polo-Renaissance-Angebote finden Sie bei unserem Affiliate-Partner GetYourGuide:

Häufige Fragen zur Scuola Grande di San Rocco

Wie lange dauert der Besuch in der Scuola?

Je nach Tempo und Interesse 90–120 Minuten für den vollen Rundgang. Eine Highlight-Variante mit Sala dell’Albergo + Sala Capitolare ist in 60 Minuten machbar — wer sich auf Kreuzigung, Verkündigung und das Deckenprogramm konzentriert, kommt in einer Stunde durch. Wer die Bildkomposition wirklich lesen will, plant 2 Stunden ein, vor allem für die Kreuzigung in der Sala dell’Albergo. Mit Audioguide (im Eintrittspreis enthalten, auf Deutsch) eher 2 Stunden. Mit Live-Führung tendenziell 90 Min. Für Erstbesucher empfehlen wir mindestens 90 Min.

Ist die Scuola im Chorus-Pass oder MUVE-Pass enthalten?

Nein, weder noch. Die Scuola ist eine eigenständige Stiftung und nicht in einem der venezianischen Sammel-Pässe enthalten. Der Chorus-Pass deckt eine Reihe venezianischer Kirchen ab, San Rocco ist eine Scuola — eine ehemalige Bruderschaft. Der Museum Pass MUVE deckt städtische Häuser ab, San Rocco wird stiftungsverwaltet. Eintritt also nur einzeln (ab 10 €, Audioguide inklusive) oder im Drittanbieter-Kombi mit der Frari. Wer beide Häuser besuchen will, fährt mit dem Frari-San-Rocco-Kombi oft günstiger als mit zwei Einzeltickets plus Führung.

Warum heißt sie „Sixtinische Kapelle Venedigs“?

Weil ein dominierender Maler — Jacopo Tintoretto — über mehr als zwei Jahrzehnte (1564 bis etwa 1588) einen Gebäudekomplex mit einem geschlossenen Bilderzyklus ausgestaltet hat. Der Vergleich mit der Sixtinischen Kapelle in Rom (Michelangelo) bezieht sich auf die seltene Verbindung von einem dominierenden Künstler, einem geschlossenen typologischen Bildprogramm (Altes Testament als Vorbild für Neues Testament) und einem weitgehend erhaltenen Originalort. Beide gelten als Höhepunkt ihres jeweiligen Künstlers. Die Bezeichnung ist seit dem 19. Jahrhundert etabliert und wird in der Kunstgeschichte häufig verwendet.

Wie kam Tintoretto an den Auftrag?

1564 schrieb die Scuola einen Wettbewerb für ein Deckenbild in der Sala dell’Albergo aus. Während die anderen Maler (darunter Veronese und Andrea Schiavone) Skizzen einreichten, präsentierte Tintoretto direkt ein fertiges Bild — „San Rocco in Glorie“ — und schenkte es der Scuola. Dazu eine schriftliche Erklärung: Er werde alle weiteren Bilder zum Selbstkostenpreis liefern, wenn die Scuola ihm das Komplettprogramm übertrage. Die Konkurrenten waren empört, die Scuola im Zwiespalt — annehmen oder den Wettbewerbsregeln folgen? Die Mitglieder entschieden sich für Tintoretto. Der ungewöhnliche Wettbewerbszug zeigt seine bekannte Geschäftsklugheit: Er bot der Scuola ein Konzept (Bilderzyklus über Jahrzehnte) statt eines Einzelwerks und sicherte sich damit einen der größten venezianischen Renaissance-Aufträge.

Welche Werke sollte ich nicht verpassen?

Drei absolute Pflichtwerke: die Kreuzigung in der Sala dell’Albergo (1565, über 12 m breit, von Henry James besonders emphatisch bewundert — Tintoretto verteilt zahlreiche Figuren über die Bildfläche, fast filmisch); das Deckenprogramm der Sala Capitolare mit den Alten-Testament-Szenen (1576–81, 21 Deckengemälde mit Mose, Jonas, Daniel als Vorausdeutungen auf das Neue Testament an den Wänden); die Verkündigung in der Sala Terrena (1582–87, der dramatische Gabriel-Sturz aus aufgerissenem Wolkenfeld). Plus Tintorettos Bewerbungsbild „San Rocco in Glorie“ an der Sala-dell’Albergo-Decke und mehrere Christus-Szenen an den Seitenwänden. Mit Handspiegel oder Audioguide kommt man entspannt durch alle Highlights.

Was sind die Handspiegel in den Sälen?

Ein klassischer Trick für die Deckengemälde: Sie nehmen einen großen Handspiegel, legen ihn auf die Brust und schauen hinein — Sie sehen die Decke gespiegelt, ohne den Kopf zurücklegen zu müssen. Damit verschwinden Genickschmerzen, und Sie können die Bilder so lange anschauen wie Sie wollen. Die Scuola legt diese Spiegel in den Sälen aus, vor allem in der Sala Capitolare mit ihrem komplexen Deckenprogramm. Funktioniert auch zum gemeinsamen Anschauen mit Kindern — der Effekt ist eine eigene kleine Attraktion.

Was ist eine Scuola Grande?

Religiöse Laienbruderschaften in Venedig — eine Mischung aus karitativem Verein, religiösem Orden und Sozialversicherung. Es gab sechs „Scuole Grandi“ mit jeweils mehreren Tausend Mitgliedern aus dem venezianischen Bürgertum (keine Patrizier — die hatten ihre eigenen Institutionen). Mitglieder zahlten Beiträge, kümmerten sich um kranke Brüder, finanzierten Beerdigungen und Witwenrenten und sorgten für Waisen. Die Scuolen waren auch Repräsentationsräume: sie konkurrierten um die schönsten Häuser, die wertvollsten Reliquien und die berühmtesten Maler. San Rocco war eine der reichsten, weil sie eine Reliquie des Schutzpatrons gegen die Pest besaß — bei den regelmäßigen Pestepidemien Venedigs flossen massive Spenden in die Bruderschaft. Mit diesem Geld konnte sie sich Tintoretto über mehr als zwei Jahrzehnte leisten.

Hat die Scuola einen Schließtag?

In der Regel nicht — die Scuola ist täglich (Mo–So) geöffnet, meist 9:30–17:30 Uhr, mit Ausnahmen an einzelnen Festtagen (u. a. 25. Dezember und 1. Januar). Das macht sie zur guten Ausweich-Option an Tagen, an denen andere Venedig-Kulturorte geschlossen sind: die Accademia hat montags eingeschränkte Öffnungszeiten, die Peggy Guggenheim Collection ist dienstags geschlossen. Aktuelle Zeiten vor dem Besuch auf scuolagrandesanrocco.org prüfen.

Lohnt sich Skip-the-Line für die Scuola?

In der Hauptsaison (Juni–August, Karnevalswochen, Ostern, Brückentage) kann es sich lohnen — die Schlange am Eingang kann zur Mittagszeit länger werden. In der Vor- und Nachsaison (November–März, außer Karneval) ist die Wartezeit meist kurz und Skip-the-Line nicht nötig. Online-Vorbuchung gibt zusätzliche Sicherheit über die Eintrittszeit und enthält oft den Audioguide — sinnvoll, wenn Sie den San-Rocco-Besuch in einen festen Tagesplan einbauen (z. B. mit folgendem Frari-Slot 1 Min. Fußweg entfernt). Skip-the-Line bzw. Führungen über Drittanbieter ab ca. 14–22 €.

Ist der Audioguide auf Deutsch verfügbar?

Ja, der offizielle Audioguide ist nach aktuellen Angaben auf Deutsch verfügbar und im Eintrittspreis enthalten — keine separate Buchung nötig. Er erklärt jeden Saal mit Tintoretto-Werkbiografie und ikonografischen Hinweisen. Dauer ca. 90 Minuten bei vollem Rundgang. Auch auf Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und weiteren Sprachen verfügbar. Praxis-Tipp: pro Saal die Erklärung zur Architektur und zu 2–3 Hauptwerken hören, dann selber die übrigen Bilder anschauen. Wer Live-Führung bevorzugt: einige Drittanbieter (GetYourGuide, Viator) bieten deutschsprachige Touren, kombiniert mit Frari oder Accademia.

Ist die Scuola bei Acqua Alta zugänglich?

In aller Regel ja. San Polo liegt höher als viele Bereiche rund um San Marco — der Campo San Rocco bleibt bei niedrigeren Pegeln trocken. Die wichtigsten Säle (Sala Capitolare und Sala dell’Albergo im Obergeschoss) liegen über dem Pegelniveau. Bei höheren Pegeln kann der Vorplatz feucht werden; ob und wie stark der Besuch eingeschränkt ist, hängt vom tatsächlichen Pegel und den Schutzmaßnahmen ab. Bei Reisen zwischen Oktober und März aktuelle Lage auf unserer Acqua-Alta-Seite prüfen. Tipp: Bei vorhergesagter Acqua Alta den San-Rocco-Besuch in den Vormittag legen.

Wie komme ich zur Scuola Grande di San Rocco?

Mit dem Vaporetto am schnellsten. Linie 1 (langsame Canal-Grande-Linie mit allen Halten) und Linie 2 (Express) halten an San Tomà — 4 Minuten Fußweg nordwärts an der Frari vorbei zum Campo San Rocco. Vom Bahnhof Santa Lucia ca. 15 Min. zu Fuß über Strada Nuova und Calatrava-Brücke. Vom Piazzale Roma ca. 10 Min. zu Fuß. Vom Markusplatz ca. 15 Min. über die Mercerie und Rialto, dann westwärts durch San Polo. Vom Flughafen Marco Polo mit Alilaguna nach San Tomà oder mit Bus zum Piazzale Roma + Linie 1 / Linie 2.

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